Chancen und Risiken

 

Warburg, den 23. Februar 2021

Über die aktuellen Fallzahlen, Neuinfektionen, Verstorbene und 7-Tage-inzidenz wird täglich berichtet.

Gelegentlich werden auch Kumulativwerte genannt, die allerdings nicht aussagekräftig über die aktuelle Situation sein können.

Worüber niemand spricht ist die aktuell Sterberate der Covid-19 Infizierten – auch Fallsterblichkeit oder Letalitätsrate genannt.

Die Gefahr an einer Coronainfektion zu sterben ist in Deutschland derzeit am höchsten!

Die Statistik der Verstorben (Durchschnitt der letzten 7 Tage) in Abhängigkeit der Neuinfektionen (Durchschnitt der letzten 7 Tage) macht dies besonders deutlich.

Corona Sterberate Deutschland - Weltweit 20.02.2021

Da der Tod bekanntlich verzögert eintritt, wird dieser Umstand im nachfolgenden Diagramm  berücksichtigt.

Das heißt, hier werden die aktuellen Todeszahlen (Durchschnitt der letzten 7 Tage) in Abhängigkeit und Relation der Neuinfektionen vor 14 Tagen dargestellt.

Das Ergebnis ist allerdings nicht weniger dramatisch.

Corona - Sterberate Deutschland - England - Weltweit 20.02.2021

Deutschland ist der traurige Spitzenreiter in Sachen Sterbequote!

Die Gefahr an einer Coronainfektion zu sterben ist aktuell in Deutschland statistisch wesentlich höher, als in England und fast doppelt so hoch, als im europäischen und weltweiten Durchschnitt.

Unter den europäischen Nachbarländern belegt Deutschland aktuell Platz 1!

Aber darüber wird weder gesprochen noch berichtet.

Corona - Sterberate Europa 20.02.2021

Der 6 Wochen Vergleich vergleichbarer Länder wie Spanien, Italien und Frankreich zeigt deutlich, dass Deutschland die geringste Anzahl an Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und die geringste 7-Tage-Inzidenz aufweist.

Allerdings hat Deutschland im Gegensatz zu den anderen Ländern die meisten Covid-19 Toten auf 100.000 Einwohner zu verzeichnen.

Spanien hat fast viermal soviel Neuinfektionen wie Deutschland – aber weniger Tote.

Corona - 6 Wochenvergleich 20.02.2021

Im September 2020 lag die Sterberate in Deutschland noch bei ca. 0,4 Prozent.

Das heißt, je 250 Infizierte gab es einen Toten.

Corona Sterberate September

Im Januar 2021 – also aktuell – haben wir ca. 10 mal so viele Neuinfektionen.

Wir haben aber nicht 10 mal so viel – sondern über 120 mal so viele Tote!

Das heißt, je 250 Infizierte gibt es jetzt über 12 Tote.

Corona Sterberate Januar

Zudem sterben immer mehr Menschen in Deutschland an Covid-19 ohne intensivmedizinische Versorgung.

Im September verstarben die meisten Infizierten noch in Intensivstationen.

Aktuell sterben immer mehr Menschen in Deutschland ohne intensivmedizinische Versorgung.

Laut den RKI Berichten und DIVI Intensivmeldungen verstarben in den letzten 6 Wochen

6.728 Menschen in Verbindung mit Covid-19 in Intensivstationen.

Insgesamt verstarben in diesem Zeitraum allerdings 31.159 Menschen in Deutschland in Verbindung mit Covid-19.

Das bedeutet, dass von 5 Verstorbenen – nur einer – intensivmedizinisch versorgt wurde.

78 Prozent der Infizierten starben woanders.

COVID-19 Verstorbene Deutschland

Patientenschützer sehen darin bereits die Gefahr einer versteckten Triage.

Sie befürchten, dass viele Erkrankte nicht die notwendige medizinische Versorgung erhalten, die sie dringend bräuchten und ihrem Schicksal überlassen werden, obwohl die stationäre Einweisung nachweislich alternativlos die beste Handlungsoption ist.

COVID-19 Verstorbene Deutschland Intensivstationen

In den letzten 6 Wochen waren durchschnittlich in etwa 4.400 Intensivplätze mit Covid-19 Patienten belegt. Im Durchschnitt waren in etwa 3.200 High-Care Intensivplätze frei, was deutlich macht, dass unser Gesundheitssystem bereits nach zwei Wochen kollabiert wäre, wenn man allen Covid-19 Erkrankten den intensivmedizinischen Weg erschlossen hätte.

Nach dem DESTATIS Dossier zur COVID-19 Pandemie 01/2021 starben in 2020 40.973 mehr Menschen als im Durchschnitt der vergangenen 5 Jahre.

Aktuell haben wir bereits weit über 67.000 Tote.

Die Särge eng aneinandergereiht würden über 12 Fußballfelder füllen. Hintereinander sind das über 134 km – analog der Strecke München / Regensburg. Zu jedem gehört ein Mensch mit einem Schicksal und eine Familie die um ihn trauert.

Es ist also aktuell wichtiger den je, sich selbst und andere zu schützen!

Weil 3 Prozent sich nicht geschützt haben müssen 100 Prozent in den Lockdown.

Intensive Aufklärung kann helfen

Mit allen bekannten Nachrichtensendern werden bei guten Einschaltquoten noch nicht einmal 20 Millionen Menschen bzw. Haushalte erreicht.

Lebenswichtige Informationen einfach im Internet bereitzustellen und an die Nachrichtensender zu übermitteln ist der aktuelle aber auch der einfache Weg.

Das reicht allerdings bei weitem nicht aus, um 100 Prozent der Bevölkerung umfassend zu informieren und zu motivieren sich selbst zu schützen.

Man kann nicht davon auszugehen, alle Bürger würden sich die benötigten Informationen im Fernsehen oder Internet schon irgendwie selbst beschaffen.

Wir müssen sie ihnen bringen.

Ein großer Teil schaut keine Nachrichten. Hier sind andere Kanäle gefragt.

Ein Teil informiert sich nicht im Internet – Viele haben gar keins.

Wir haben Menschen, die können nicht lesen.

Wir haben Blinde, Gehörlose und welche die unsere Sprache nicht verstehen.

Wir haben Menschen die können sich weder Fernseher noch Zeitung leisten.

Wir müssen den Menschen die Informationen bringen – Verständlich, anschaulich und plausibel.

Hier ist Aufmerksamkeit, Sensibilität  und Kreativität gefragt!

Dass viel mehr geht, werden die Kampagnen der kommenden Bundestagswahl zeigen.

Es werden wieder Briefe und Flyer in jedem Briefkasten zu finden sein und weil die Reklametafeln nicht ausreichen, werden allerorts noch Plakate positioniert. Zusätzlich werden auch noch diverse Wahlwerbevideos im Fernsehen und im Netz zu sehen sein.

Die bisher größte Präventionskampagne „Gib Aids keine Chance“ war für die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) ein voller Erfolg.

Das entscheidende Ergebnis der 1987 gestarteten Präventionskampagne = Deutschland schützt sich vor HIV.

Ein Informationspaket für jeden Haushalt mit Masken, Desinfektionsmittel und Informationsmaterial in der jeweiligen Sprache. Mit allen notwendigen Infos zur Vorbeugung und Prävention, sowie den notwendigen Anlaufstellen und Telefonnummern.

Jeder muss sofort zur Hand haben an wen er sich wann wenden kann, woher er bei Bedarf einen Schnelltest bekommt, wo sein zuständiges Gesundheitsamt ist und alle weiteren nötigen und wichtigen Informationen.

Am Besten wäre es natürlich, in dieses Paket gleich ein paar Schnelltests mit einzupacken und damit ein Zeichen zu setzen

Das kostet zwar Geld und etwas Aufwand, jedoch hat es keinerlei negative Neben- und Auswirkungen wie bspw. ein Lockdown – man muss es nur wollen.

Auch Informationen über Hygienemaßnahmen wie und womit man sich und andere nach dem Lockdown möglichst effektiv schützen kann, wenn man zusammentrifft.

Hier gibt es viele gute Ansätze aus der Gastronomie und aus dem privaten Bereich.

Die müssen nur entsprechend kommuniziert werden.

Mehr Flächen ermöglichen mehr Abstand

Der Gastronomie sollten die öffentlichen Flächen vor ihren Geschäften erschlossen werden. Auch die Öffnung anderer öffentlicher Flächen wie Park- und Sportanlagen würden zu mehr Platz und Abstand führen.

Perspektiven schaffen

Alle Möglichkeiten, die eine Verbesserung der Situation und des Infektionsgeschehens in Aussicht stellen gehören auf den Prüfstand.

Man kann ein ganzes Land nicht auf Dauer im Lockdown, ohne Perspektive und in Ungewissheit halten.

Es lohnt sich darüber intensiv nachzudenken.

 

Bleiben Sie gesund!

 

Hinweis & Quellen

Die zur Verfügung stehenden Daten wurden mit größtmöglicher Sorgfalt verarbeitet.

Quellen:

– Tägliche Zahlen des RKI – Robert Koch-Institut

Lage und Situationsberichte des RKI

DESTATIS Statistik Dossier: Daten zur COVID-19-Pandemie – Ausgabe 01/2021 

Tagesreporte aus dem DIVI-Intensivregister

Klinik-Monitor Deutschland – Weltweit

Versteckte Triage? – Das Sterben der alten Menschen – ZDF